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Fördermittel für Gründer & Unternehmer: Verbreitete Mythen, Gedanken & Tipps

Matthias Klopp© Matthias Klopp hat gleich nach dem Studium im Wohnzimmer seine erste Firma gegründet und veröffentlicht seit 2000 hier seine Erfahrungen und Tipps, um anderen Gründern und Unternehmern den Start zu erleichtern.
Was Unternehmensgründer und Unternehmer vorher über Fördermittel wissen sollten

von Matthias Klopp


"Wie komme ich an Fördermittel?" - Das ist einer der häufigsten Fragen, die mir Unternehmensgründer stellen. Viele Gründer sagen auch, dass sie bereits eine Geschäftsidee hätten. Das einzige, was ihnen zur Unternehmensgründung noch fehlen würde, seien die Fördermittel. Die "Fördermittel" stehen bei vielen Gründern offensichtlich ganz oben auf der Liste.

Ehrlich gesagt, wundert mich das immer wieder ...

Warum halten so viele Gründer es für so entscheidend, Fördermittel zu bekommen?

Ich glaube, es liegt daran, dass viele eine falsche Vorstellung davon haben, was Fördermittel für die Unternehmensgründung bedeuten und was eigentlich genau dahinter steckt. Deshalb habe ich im Folgenden einige meiner Gedanken zum Thema "Fördermittel" zusammengestellt und versuche die verbreitestesten Mythen und Irrtümer aufzuklären:


Mythos 1: Fördermittel sind "geschenktes" Geld

Es gibt tatsächlich Förderungen für Existenzgründer, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Bestimmte Zuschüsse vom Arbeitsamt gehören zum Beispiel dazu. Doch erstens sind die "geschenkten" Fördergelder in der Regel recht gering. Normalerweise soll Ihnen mit dem Geld der Start etwas erleichtert werden. Zweitens gibt es Geld in den seltensten Fällen wirklich geschenkt. Die meisten Fördermittel sind Kredite, die der Gründer auch wieder zurückzahlen muss. Und zwar mit Zinsen! Damit kommen wir gleich zum zweiten Mythos ...


Mythos 2: Wenn ich Fördermittel bekomme, gehe ich persönlich mit der Gründung kein finanzielles Risiko ein

In den meisten Fällen sind Fördermittel für Unternehmensgründer und Unternehmen Kredite zu günstigen Konditionen. Das bedeutet, daß Sie beispielsweise etwas später mit der Rückzahlung beginnen müssen und/oder die Zinssätze vergleichsweise günstig sind. Nichtsdestotrotz sind es Kredite:

Sie machen Schulden, die Sie später wieder zurückzahlen müssen.

Wenn Ihre Geschäftsidee also nicht funktioniert, dann war nicht nur die ganze Arbeit für die Katz und Sie haben kein Geld mehr. Nein, Sie haben zusätzlich noch einen schönen Schuldenberg angehäuft, der durch die Zinsen auch noch weiter wächst. Das Unternehmen futsch und dank der Fördermittel(-kredite) haben Sie zusätzlich noch einen Berg Schulden.

Es kann also keine Rede davon sein, dass Sie mit Fördermitteln keine finanziellen Risiken eingehen oder das finanzielle Risiko der Unternehmensgründung auf andere abwälzen könnten.

Ich habe sogar schon Gründer kennengelernt, die haben das Geld aus den Fördermitteln dazu benutzt, um ihren Lebensunterhalt in der Gründungsphase zu bestreiten. Als die Fördermittel aufgebraucht waren, hatten sie kein Geld zum Leben mehr und das Unternehmen lief auch nicht, weil sie ja kein Geld in den Unternehmensaufbau investiert hatten. Stattdessen saßen sie jetzt zusätzlich noch auf ihren Schulden. So können Fördermittel aus großen Problemen ganz schnell noch größere Probleme machen.


Mythos 3: Ohne Fördermittel oder Kredite kann ich meine Geschäftsidee doch gar nicht umsetzen

Dazu drei Gedanken:

1. Neben Fördermitteln und Krediten sind da noch einige andere Wege möglich, sich sein Startkapital zu beschaffen. Es gibt zum Beispiel Investoren wie Business Angels (Unternehmer und Manager, die in Unternehmensgründungen investieren und den Gründer auch mit Rat und Tat unterstützen) und sogenannte Venture Capitalists ("Risikokapitalgeber"). Diese beteiligen sich an dem Unternehmen, indem sie Geld geben und dafür Unternehmensanteile bekommen (ja, Sie verstehen richtig, Investoren müssen Sie das Geld normalerweise nicht zurückzahlen, Investoren teilen das unternehmerische Risiko mit Ihnen. Daher ist es auch nicht so einfach, Investoren zu gewinnen). Nicht zu vergessen die beiden F's als Kapitalgeber: "Familie & Freunde" (>> sogar die eigenen Kunden können eine Geschäftsidee finanzieren).

2. Viele Menschen mit einer Geschäftsidee wollen es mir zuerst nicht glauben, aber die meisten Geschäftsideen lassen sich auch ohne viel Startkapital umsetzen. Vielleicht müssen Sie die Geschäftsidee etwas modifizieren, vielleicht müssen Sie erstmal kleinere Brötchen backen, aber vielleicht gibt es einen Weg, dass Sie Ihre Geschäftsidee auch "klein" starten können und gar nicht auf Fördergelder oder andere Kapitalgeber angewiesen sind. Auch eine schöne Vorstellung, sein Unternehmen zu gründen, ohne Schulden zu machen, oder? (>> Gründen ohne Startkapital, >> Geschäftsideen klein austesten)

3. Eine gute Geschäftsidee muss auch ohne Fördergelder profitabel sein. Es kommt immer wieder vor, dass Unternehmensgründer ihre Geschäftsidee so kalkulieren, dass sie unterm Strich nur mit Fördermitteln überhaupt einen Gewinn erzielen. Ihre Geschäftsidee sollte aber finanziell funktionieren, egal ob Sie Fördermittel bekommen oder nicht! Vielleicht geht es mit Fördergeldern manchmal einfacher (obwohl Sie den Aufwand für die Beantragung nicht unterschätzen sollten), vielleicht bekommen Sie bestimmte Fördergelder sogar geschenkt. Fördermittel sollten dann aus meiner Sicht nur die Sahne auf dem Kuchen sein. Schön, wenn Sie sie bekommen, aber wenn nicht, dann verdienen Sie mit Ihrem Unternehmen trotzdem gutes Geld.


Mythos 4: Fördermittel sind die Lösung all meiner Probleme

Dieser Mythos scheint vor allem unter Gründern, die ihr Unternehmen bereits gegründet haben und sich in der Startphase befinden, sehr verbreitet. Das Unternehmen läuft nicht so wie sie sich das vorgestellt haben. Es kommen nicht genug Aufträge herein oder das Geld reicht einfach hinten und vorne nicht. Wenn das Geld knapp wird, dann sehen viele Unternehmensgründer in Fördermitteln den rettenden Anker. Das Unternehmen hat kein Geld mehr, die privaten Mittel sind aufgebraucht und die Banken wollen auch keins geben. Also bleiben ja nur die Fördermittel!

Stellen Sie sich vor, ein Unternehmen läuft nicht, weil zum Beispiel die Geschäftsidee nicht funktioniert, der Gründer mit dem Unternehmensalltag überfordert ist oder irgendwo anders der Wurm drin ist. Dann lösen auch Fördergelder diese Probleme nicht. Womöglich schieben sie das Ende des Unternehmens nur weiter in die Zukunft.

Wenn Ihr Unternehmen nicht läuft und Sie finanzielle Probleme haben, dann sollten Sie zuerst nach den wahren Ursachen Ihrer Probleme forschen. Wenn Sie Ihre Probleme gefunden haben, dann suchen Sie nach Lösungen und beheben Sie die Probleme. Meistens macht es mehr Sinn, sich gute Berater zu holen, um die vorhandenen Probleme zu lösen, als sich um Fördermittel zu bemühen, während es im Unternehmen weiter schiefläuft (>> Wie finde ich die besten Berater und Dienstleister für mein Unternehmen?). Selbstverständlich können Fördermittel finanzielle Probleme lösen. Ich fürchte nur, dass die wirklichen Probleme häufig ganz woanders liegen.


Fazit zum Thema Fördermittel für Existenzgründer:

Fördermittel gibt es normalerweise weder geschenkt, noch sind sie ohne Risiko, noch ist es für jeden Unternehmensgründer der beste Weg, seine Gründung zu finanzieren. Es gibt einige Alternativen (s. Mythos 3). Außerdem ist die Beantragung der Fördergelder in der Regel mit einigem bürokratischen Aufwand verbunden und die gewünschten Fördergelder sind meistens gar nicht so leicht zu bekommen. In der Zeit, in der Sie sich mit dem Förderdschungel herumschlagen, wäre Ihre kostbare Arbeitskraft vielleicht besser in die Akquise Ihrer ersten Kunden investiert. Überlegen Sie sich daher gut, ob Sie wirklich Fördermittel für Ihre Unternehmensgründung brauchen.



TIPP: Wenn Sie nach reiflicher Überlegung Fördergelder beantragen wollen, suchen Sie sich am besten fachliche Unterstützung von jemandem, der sich wirklich damit auskennt. "Wirklich auskennen" bedeutet, dass er oder sie bereits erfolgreich und am besten mehrfach Fördergelder akquiriert hat. Nicht ohne Grund spricht man vom "Förderdschungel". Oft ist es lohnender, seine Zeit in das Unternehmen zu stecken als den Aufwand der Beantragung auf sich zu nehmen (der nämlich oft vergebens ist). Und erwarten Sie nicht zuviel Unterstützung von Ihrer Hausbank. Die hat nämlich in der Regel auch keine Lust auf diesen Aufwand, der der Hausbank eigentlich außer Arbeit nichts bringt.

TIPP: Manche Förderprogramme werden für ganz spezielle Gruppen aufgelegt. Das sind Förderprogramme à la "Startkapital für alleinerziehende Frauen über 40" oder "Werbezuschüsse für Handwerksunternehmen in Klein Kleckersdorf". Bei solch speziellen Förderprogrammen gibt es eventuell nicht so viele Bewerber und Ihre Chancen auf die Fördergelder sind größer als bei nationalen Förderprogrammen, die sich an alle Unternehmensgründer richten. Am besten erkundigen Sie sich danach bei Ihrer örtlichen IHK, dem Arbeitsamt oder entsprechenden Verbänden Ihrer Branche (und natürlich sollten Sie im Internet recherchieren).

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Quelle: Gruenderland.de
http://www.gruenderland.de/finanzierung/foerdermittel-unternehmensgruendung.html
© Matthias Klopp. Alle Rechte vorbehalten.

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