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Krisenmanagement & Risikovorsorge für Unternehmensgründer

Matthias Klopp© Matthias Klopp hat gleich nach dem Studium im Wohnzimmer seine erste Firma gegründet und veröffentlicht seit 2000 hier seine Erfahrungen und Tipps, um anderen Gründern und Unternehmern den Start zu erleichtern.
Warum Gründer sich auf das Schlimmste gefaßt machen sollten und wie sie sich darauf vorbereiten

Von Matthias Klopp

Es gab einmal eine Zeit, ganz am Anfang meines "Unternehmertums", da wußte ich nicht, wovon ich die Miete für den nächsten Monat bezahlen soll. Ich habe alles Mögliche getan, um Kunden zu bekommen: Nachts Angebote per Fax durch die Gegend geschickt und Flyer hinter Autoscheibenwischer geheftet. Nichts hat funktioniert und ich habe etliche Nächte nicht besonders gut geschlafen. Glücklicherweise hat mich damals ein Auftrag aus der Misere gerettet. Seitdem weiß ich, daß ich wirklich nie, nie wieder in eine solche Situation kommen möchte (den Auftrag bekam ich auch nicht durch meine Hauruck-Aktionen).

Jeder Gründer kann ziemlich schnell in so eine kritische Situation kommen. Es läuft meistens nach demselben Muster ab: Ein Auftrag platzt und dann noch einer und noch einer. Oder einige Kunden zahlen nicht. Aus irgendwelchen Gründen sinkt der Umsatz, aber die Kosten bleiben, bei der Werbung wird gespart, der Umsatz fällt noch weiter. Aus welchen Gründen auch immer, plötzlich hat es Sie voll erwischt und sie ist da: Die handfeste, existenzbedrohende Krise.

Die meisten Unternehmer werden davon überrascht, sie sind darauf nicht vorbereitet. Damit Ihnen so etwas nicht passiert oder Sie so eine Krise wenigstens einigermaßen heil überstehen können, kommen jetzt einige Lektionen, die ich und viele andere Unternehmer auf die "harte Tour" gelernt haben.

Nur wer vorgesorgt hat, kann aus seinen Fehlern auch noch lernen

Der Mensch lernt nun mal am meisten aus Fehlern. Als Gründer machen wir natürlich jede Menge davon. Das ist normal. Aber wenn wir nicht aufpassen, dann haben wir keine Gelegenheit mehr, aus unseren Fehlern zu lernen. Dann ist es für das Unternehmen schon zu spät. Deshalb müssen Sie als Gründer vorsorgen.

Im schlimmsten Fall brauchen Sie zwei Dinge: Geld und einen Plan

Noch vor meiner eigenen Unternehmensgründung habe ich einmal den Vortrag des erfolgreichen Unternehmenssanierers und Steuerberaters Eberhard Wagemann (Glashütter Uhrenbetrieb, Progress Filmverleih, Berliner Fernsehturm) gehört. Einer seiner Tipps lautete: "Legen Sie sich eine Kasse für den Notfall an. Denn dann werden Sie das Geld für gute Berater und Anwälte brauchen." Sie brauchen den berühmten Notgroschen, damit Sie, wenn alle Stricke Ihres Unternehmens reißen, nochmal durchstarten können. Ein "Notgroschen", eine Notfallreserve ist deshalb für jeden Gründer Pflicht.

Sei es, dass Sie Geld brauchen, um einfach eine Dursttrecke zu überstehen. Oder um für die nächsten Monate Ihre Werbung finanzieren zu können, bis Sie endlich wieder Umsatz machen. Vielleicht ist der Karren auch schon so weit in den Dreck gefahren, dass Sie sehr gute Anwälte und Berater brauchen, um Sie da wieder herauszuholen. Vielleicht ist das alte Unternehmen auch gescheitert und Sie brauchen jetzt ein paar Monate, um etwas neues aufzubauen. Ja, selbst, wenn Sie merken, dass Sie einfach nicht zum Unternehmer geschaffen sind und wieder als Angestellter arbeiten wollen, brauchen Sie eine Geldreserve für die Monate, bis Sie einen neuen Job gefunden haben.

Was Sie heute schon tun können, um zukünftige Krisen gut zu überstehen

Fangen Sie sofort damit an, Ihre Notfallreserve anzulegen. Wie groß der Notgroschen sein sollte? Ich denke, Sie sollten mindestens für drei Monate Reserven haben. Eine Reserve für sechs Monate ist sicher besser. Natürlich hängt dies auch von Ihrem persönlichen Sicherheitsbedürfnis ab. Sechs Monate sind meiner Meinung nach im schlimmsten Fall ein realistischer Zeitraum, um sich nach Alternativen umzusehen und etwas neues zu beginnen. Denken Sie dabei auch daran, welche Kosten Ihres Unternehmens auch nach dessen Auflösung noch weiter laufen. Das können z.B. Büromiete, Kredite, Versicherungen oder Löhne sein. Sie müssen sich eine Übersicht machen, welche fixen Kosten Sie monatlich haben, selbst wenn Sie alle Kosten soweit runterfahren wie es nur geht. Dazu kommt dann noch das Geld, das Sie zum Leben brauchen, plus etwas zusätzliches Kapital, damit Sie auch noch investieren können.

Ein Beispiel: Nehmen wir an, Ihr Unternehmen hat laufende Kosten von mindestens 2000 Euro pro Monat. Dazu kommen Ihre Lebenshaltungskosten von 1500 Euro pro Monat. Ihre absolute Notreserve sollte dann für drei Monate reichen, also 3 x 3.500 = 10.500 Euro betragen. Drei Monate, das sind 12 Wochen. Da kann man schon einiges auf die Beine stellen. Noch besser ist natürlich eine Reserve, die für sechs Monate reicht. Das wären hier 21.000 Euro. Dann bleibt Ihnen immer noch etwas Luft, wenn Sie vielleicht auch wieder Geld investieren wollen.

Einer der häufigsten Fehler vor und in der Krise: Bei der Werbung wird als erstes gespart

Akquise bringt Kunden, Kunden bringen Umsatz. Die Einnahmen sind die Lebensgrundlage jedes Unternehmens. Geld ist das "Blut" einer Firma, ohne das sie nicht überleben kann. Doch wenn das Geschäft mal nicht so gut läuft, drehen viele Unternehmer zuerst den Werbehahn zu. Prüfen Sie ganz genau, ob das in Ihrem Fall der richtige Weg ist! Denn oft ist das Gegenteil die bessere Lösung: Sparen Sie zuletzt am Werbebudget. Denn sonst kann aus einer kleinen und harmlosen "Umsatzschwäche" eine existenzbedrohende Krise werden. Erhöhen Sie Ihre Werbeausgaben lieber. Was? Sie sollen in der Krise Ihre Werbeausgaben erhöhen? Ja. Stellen Sie sich vor, sich laufen ein Rennen über mehrere Tage. Tagsüber laufen Sie, nachts ist Pause und Sie können sich mit Getränken für den Lauf eindecken. Wenn es jetzt jeden Tag heißer würde, würden Sie dann auch immer weniger Wasser mitnehmen, um Gewicht zu sparen? Wohl kaum. Denn je heißer es wird, desto mehr Wasser brauchen Sie. Genauso ist es auch mit Ihrem Unternehmen: Je weniger Umsatz Sie machen, desto mehr müssen Sie in Ihr Marketing investieren, um Ihren Umsatz wieder zu steigern. Kunden und Umsatz sind für Ihr Unternehmen überlebenswichtig. Natürlich müssen Sie Ihr kostbares Geld sinnvoll und effektiv ausgeben, aber beim Marketing sollten Sie ganz zuletzt sparen. Das Marketingbudget ist wie Miete, das MÜSSEN Sie jeden Monat bezahlen! Lieber geraten Sie mit der Miete in Rückstand, als dass Sie sich die Lebensader Ihres Unternehmens abschneiden. Sonst wird alles noch schlimmer. Denn der Umsatz wird natürlich noch weiter fallen und Sie werden alle Monate, die Sie gar keine Werbung machen, wieder mit noch mehr Aufwand aufholen müssen.

Plan B - Welchen Plan haben Sie für den Notfall?

Was machen Sie, wenn es wirklich schief geht? Es wäre ziemlich naiv zu glauben, dass Ihr Unternehmen nicht scheitern könnte. Also sollten Sie sich auch auf den schlimmsten Fall vorbereiten. Werden Sie Ihre Firma auflösen und wieder von vorne anfangen? Haben Sie eine Reserve für drei, sechs oder 12 Monate, in denen Sie sich überlegen können, wie es weitergehen soll? Machen Sie sich einen konkreten Plan für den schlimmsten Fall, den Fall, dass Ihr Unternehmen den Bach runtergeht. Mein Plan B in den ersten Jahren war es, nachts und an den Wochenenden in Tankstellen oder Restaurants zu arbeiten. So hätte ich alle Kosten decken und trotzdem tagsüber weiter mein Unternehmen aufbauen können. Natürlich hätte der Plan nur funktioniert, weil ich am Anfang meine Unternehmens- und Lebenskosten sehr gering gehalten habe. Sie müssen Ihren Notfallplan Ihrer persönlichen Lebenssituation und Ihrem Unternehmen anpassen. Und Sie werden schnell merken, dass so ein Plan B Ihnen dabei hilft, sich gegen alle Risiken abzusichern. Und Sie werden viel besser schlafen und auch in Krisensituationen einen kühlen Kopf bewahren können.

Hoffen wir, dass Sie alle Krisen meistern werden. Auf jeden Fall können Sie besser schlafen und mit Krisen leichter umgehen, wenn Sie wissen, dass Sie auf das Schlimmste vorbereitet sind. Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihren Notgroschen nie brauchen werden. Aber falls Sie ihn doch einmal brauchen sollten, werden Sie sehr froh sein, ihn zu haben.


TIPP: Falls Sie jetzt einfach nicht das Geld für den Notgroschen übrig haben, können Sie folgendes machen: Richten Sie extra ein neues Bankkonto ein. Die meisten Banken bieten Konten an, auf denen Sie Ihr Geld parken können und sogar etwas Zinsen bekommen. Zahlen Sie jeden Monat einen bestimmten Mindestbetrag darauf ein. Und selbst wenn es nur 200 Euro oder nur 100 Euro pro Monat sind, bauen Sie sich langsam Ihre Reserve auf. Und wenn Sie einmal einen besonders lukrativen Auftrag bekommen, dann legen Sie etwas mehr Geld zurück. Sie werden merken, es gibt Ihnen ein gutes Gefühl, den Notgroschen wachsen zu sehen, bis Sie Ihre geplante Reserve erreicht haben.

TIPP: Rühren Sie Ihren NOTgroschen nie an! Wie der Name schon sagt wirklich nur im äußersten Notfall, wenn es gar nicht mehr anders geht. Es ist sehr verlockernd, schon bei kleinen Problemen nach seinem Notgroschen zu greifen, obwohl man alle anderen Möglichkeiten noch gar nicht ausgeschöpft hat.
Quelle: Gruenderland.de
http://www.gruenderland.de/unternehmensaufbau/krisenmanagement-risikovorsorge.html
© Matthias Klopp. Alle Rechte vorbehalten.

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