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Krisenmanagement & Risikovorsorge für Unternehmensgründer
Warum Gründer sich auf das Schlimmste gefaßt machen sollten und wie sie sich darauf vorbereiten
Von Matthias Klopp
Es gab einmal eine Zeit, ganz am Anfang meines "Unternehmertums", da
wußte ich nicht, wovon ich die Miete für den nächsten Monat bezahlen
soll. Ich habe alles Mögliche getan, um Kunden zu bekommen: Nachts
Angebote per Fax durch die Gegend geschickt und Flyer hinter
Autoscheibenwischer geheftet. Nichts hat funktioniert und ich habe
etliche Nächte nicht besonders gut geschlafen. Glücklicherweise hat
mich damals ein Auftrag aus der Misere gerettet. Seitdem weiß ich, daß ich wirklich
nie, nie wieder in eine solche Situation kommen möchte (den Auftrag bekam ich auch
nicht durch meine Hauruck-Aktionen).
Jeder Gründer kann ziemlich schnell in so eine kritische Situation
kommen. Es läuft meistens nach demselben
Muster ab: Ein Auftrag platzt und dann noch einer und noch einer. Oder
einige Kunden zahlen nicht. Aus irgendwelchen Gründen sinkt der Umsatz,
aber die Kosten
bleiben, bei der Werbung wird gespart, der Umsatz fällt noch weiter.
Aus welchen Gründen auch immer, plötzlich hat es Sie voll erwischt und
sie ist da: Die handfeste, existenzbedrohende Krise.
Die meisten Unternehmer werden davon überrascht, sie sind darauf nicht
vorbereitet. Damit Ihnen so etwas nicht passiert oder Sie so eine Krise
wenigstens
einigermaßen heil überstehen können, kommen jetzt einige Lektionen, die
ich und viele andere Unternehmer auf die "harte Tour" gelernt haben.
Nur wer vorgesorgt hat, kann aus seinen Fehlern auch noch lernen
Der Mensch lernt nun mal am meisten aus Fehlern. Als Gründer machen wir
natürlich jede Menge davon. Das ist normal.
Aber wenn wir nicht aufpassen, dann haben wir keine Gelegenheit mehr,
aus unseren Fehlern zu lernen. Dann ist es für das Unternehmen schon zu
spät. Deshalb müssen Sie als Gründer vorsorgen.
Im schlimmsten Fall brauchen Sie zwei Dinge: Geld und einen Plan
Noch vor meiner eigenen Unternehmensgründung habe ich einmal den
Vortrag des erfolgreichen Unternehmenssanierers
und Steuerberaters Eberhard Wagemann (Glashütter Uhrenbetrieb, Progress
Filmverleih, Berliner Fernsehturm) gehört. Einer seiner Tipps
lautete: "Legen Sie sich eine Kasse für den Notfall an. Denn
dann werden Sie das Geld für gute Berater und Anwälte brauchen." Sie
brauchen den
berühmten Notgroschen, damit Sie, wenn alle Stricke Ihres Unternehmens
reißen, nochmal durchstarten können. Ein
"Notgroschen", eine Notfallreserve ist deshalb für jeden Gründer
Pflicht.
Sei es, dass Sie Geld brauchen, um einfach eine Dursttrecke zu
überstehen. Oder um für die nächsten Monate Ihre Werbung finanzieren zu
können, bis Sie endlich wieder Umsatz machen. Vielleicht ist der Karren
auch schon so weit in den Dreck gefahren, dass Sie sehr gute Anwälte
und Berater brauchen, um Sie da wieder herauszuholen. Vielleicht ist das
alte Unternehmen auch gescheitert und Sie brauchen jetzt ein paar
Monate, um etwas neues aufzubauen. Ja, selbst, wenn Sie merken, dass
Sie einfach nicht zum Unternehmer geschaffen sind und wieder als
Angestellter arbeiten wollen, brauchen Sie eine Geldreserve für die
Monate, bis Sie einen neuen Job gefunden haben.
Was Sie heute schon tun können, um zukünftige Krisen gut zu überstehen
Fangen Sie sofort damit an, Ihre Notfallreserve anzulegen. Wie groß der Notgroschen
sein
sollte? Ich denke, Sie sollten mindestens für drei Monate Reserven haben.
Eine Reserve für sechs Monate ist sicher besser. Natürlich hängt dies
auch von Ihrem persönlichen Sicherheitsbedürfnis ab. Sechs Monate sind
meiner Meinung nach im schlimmsten Fall ein realistischer Zeitraum, um sich nach
Alternativen umzusehen und etwas neues zu beginnen. Denken Sie
dabei auch daran, welche Kosten Ihres Unternehmens auch nach
dessen Auflösung noch weiter laufen. Das können z.B. Büromiete,
Kredite, Versicherungen oder Löhne sein. Sie müssen sich eine Übersicht
machen, welche fixen Kosten Sie monatlich haben, selbst wenn Sie alle
Kosten soweit runterfahren wie es nur geht. Dazu kommt dann noch das
Geld, das Sie zum Leben brauchen, plus etwas zusätzliches Kapital, damit Sie auch noch
investieren können.
Ein Beispiel: Nehmen wir an, Ihr Unternehmen hat laufende Kosten von mindestens 2000
Euro pro Monat. Dazu kommen Ihre Lebenshaltungskosten von 1500 Euro pro
Monat. Ihre absolute Notreserve sollte dann für drei Monate reichen,
also 3 x 3.500 = 10.500 Euro betragen. Drei Monate, das sind 12 Wochen. Da kann man
schon einiges auf die Beine stellen. Noch besser ist natürlich eine
Reserve, die für sechs Monate reicht. Das wären hier 21.000 Euro. Dann
bleibt Ihnen immer noch etwas Luft, wenn Sie vielleicht auch wieder
Geld investieren wollen.
Einer der häufigsten Fehler vor und in der Krise: Bei der Werbung wird als erstes gespart
Akquise bringt Kunden, Kunden bringen Umsatz. Die Einnahmen sind die
Lebensgrundlage jedes
Unternehmens. Geld ist das "Blut" einer Firma, ohne das sie nicht
überleben kann. Doch wenn das Geschäft mal
nicht so gut läuft, drehen viele Unternehmer zuerst den Werbehahn zu.
Prüfen Sie ganz genau, ob das in Ihrem Fall der richtige Weg ist! Denn
oft ist das Gegenteil die bessere Lösung:
Sparen Sie zuletzt am Werbebudget.
Denn sonst kann aus einer kleinen und harmlosen "Umsatzschwäche" eine
existenzbedrohende Krise werden. Erhöhen Sie Ihre Werbeausgaben lieber.
Was? Sie sollen in der Krise Ihre Werbeausgaben erhöhen? Ja. Stellen
Sie
sich vor, sich laufen ein Rennen über mehrere Tage. Tagsüber laufen
Sie, nachts ist Pause und Sie können sich mit Getränken für den Lauf
eindecken. Wenn es jetzt jeden Tag heißer würde, würden Sie dann auch
immer weniger Wasser mitnehmen, um Gewicht zu sparen? Wohl kaum. Denn
je heißer es wird, desto mehr Wasser brauchen Sie. Genauso ist es auch
mit Ihrem Unternehmen: Je weniger Umsatz Sie machen, desto mehr müssen
Sie in Ihr Marketing investieren, um Ihren Umsatz wieder zu steigern.
Kunden und Umsatz sind für Ihr
Unternehmen überlebenswichtig. Natürlich müssen Sie Ihr kostbares Geld
sinnvoll und effektiv ausgeben, aber beim Marketing sollten Sie ganz
zuletzt
sparen. Das Marketingbudget ist wie Miete, das MÜSSEN Sie jeden Monat
bezahlen! Lieber geraten Sie mit der Miete in Rückstand, als dass Sie
sich die Lebensader Ihres Unternehmens abschneiden. Sonst wird alles
noch schlimmer. Denn der Umsatz wird natürlich noch weiter fallen und
Sie werden alle Monate, die Sie gar keine Werbung machen, wieder mit
noch mehr Aufwand aufholen müssen.
Plan B - Welchen Plan haben Sie für den Notfall?
Was machen Sie, wenn es wirklich schief geht? Es wäre ziemlich naiv zu
glauben, dass Ihr Unternehmen nicht scheitern könnte. Also sollten Sie
sich auch auf den schlimmsten Fall vorbereiten. Werden Sie Ihre Firma
auflösen und wieder von vorne anfangen? Haben Sie eine Reserve für
drei, sechs oder 12 Monate, in denen Sie sich überlegen können, wie es
weitergehen soll? Machen Sie sich einen konkreten Plan für den
schlimmsten Fall, den Fall, dass Ihr Unternehmen den Bach runtergeht.
Mein Plan B in den ersten Jahren war es, nachts und an den Wochenenden
in Tankstellen oder Restaurants zu arbeiten. So hätte ich alle Kosten
decken und trotzdem tagsüber weiter mein Unternehmen aufbauen können.
Natürlich hätte der Plan nur funktioniert, weil ich am Anfang meine
Unternehmens- und Lebenskosten sehr gering gehalten habe. Sie müssen
Ihren Notfallplan Ihrer persönlichen Lebenssituation und Ihrem
Unternehmen anpassen. Und Sie werden schnell merken, dass so ein Plan
B Ihnen dabei hilft, sich gegen alle Risiken abzusichern. Und Sie
werden viel besser schlafen und auch in Krisensituationen einen kühlen
Kopf bewahren können.
Hoffen wir, dass Sie alle Krisen meistern werden. Auf jeden Fall können
Sie besser schlafen und mit Krisen leichter umgehen, wenn Sie wissen,
dass Sie auf das Schlimmste vorbereitet sind. Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihren Notgroschen nie brauchen werden. Aber
falls Sie ihn doch einmal brauchen sollten, werden Sie sehr froh sein,
ihn zu haben.
TIPP: Falls Sie jetzt einfach
nicht das Geld für den Notgroschen übrig haben, können Sie folgendes
machen: Richten Sie extra ein neues Bankkonto ein. Die meisten Banken
bieten Konten an, auf denen Sie Ihr Geld parken können und sogar etwas
Zinsen bekommen. Zahlen Sie jeden Monat einen bestimmten Mindestbetrag
darauf ein. Und selbst wenn es nur 200 Euro oder nur 100 Euro pro Monat sind, bauen
Sie sich langsam Ihre Reserve auf. Und wenn Sie einmal einen besonders
lukrativen Auftrag bekommen, dann legen Sie etwas mehr Geld zurück. Sie
werden merken, es gibt Ihnen ein gutes Gefühl, den Notgroschen wachsen zu
sehen, bis Sie Ihre geplante Reserve erreicht haben.
TIPP: Rühren Sie Ihren
NOTgroschen nie an! Wie der Name schon sagt wirklich nur im äußersten
Notfall, wenn es gar nicht mehr anders geht. Es ist sehr verlockernd, schon bei kleinen Problemen nach seinem
Notgroschen zu greifen, obwohl man alle anderen Möglichkeiten noch gar
nicht ausgeschöpft hat.
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P.S.: Nein, 'reich-über-Nacht' findest Du auch hier bei mir nicht. Im Gegenteil: Nur die besten Tipps aus eigener Erfahrung. Aber >> lies einfach selbst
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