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Probleme liefern die besten Ideen

Matthias Klopp© Matthias Klopp hat gleich nach dem Studium im Wohnzimmer seine erste Firma gegründet und veröffentlicht seit 2000 hier seine Erfahrungen und Tipps, um anderen Gründern und Unternehmern den Start zu erleichtern.
Charlie Leighton hat es sich leicht gemacht: Der amerikanische Geschäftsmann kaufte 1986 von einem Paar aus Minneapolis die Rechte an der NordicTrack-Trainingsmaschine, die heute in Fitness-Studios auf der ganzen Welt steht, und verdiente damit Millionen. Wer nicht das Geld hat, um eine Geschäftsidee zu kaufen, kann auf den berühmten Geistesblitz warten. Oder er macht sich auf die Suche. Ideensuche ist Arbeit und damit - das ist die gute Nachricht - erlernbar.


"Die Ideensuche läuft eigentlich immer auf drei Fragen hinaus", sagt Matthias Klopp von der Berliner Ideenagentur Knack die Nuss. "Was macht mir Spaß? Was kann ich? Wie kann ich damit Geld verdienen?" Ausgangspunkt kann der gegenwärtige Beruf sein, aber auch ein Hobby. Die Bremerin Andrea Kaldewey entdeckte als Leiterin eines Parteibüros, daß sie ein Händchen für Ordnung im Büro hat. Heute sortiert sie gegen Honorar Personalunterlagen und Steuerbelege für Unternehmen und Privatleute.

Haben Sie das Feld erst mal grob abgesteckt, heißt es: Augen aufhalten - nicht nach Geschäftsideen, sondern nach Problemen. Eine gute Geschäftsidee ist nämlich nichts anderes als die Lösung eines Problems. "Die erfolgreichsten Unternehmer der Gegenwart haben dort Schätze gefunden, wo es niemand für möglich gehalten hätte", berichtet der amerikanische Jungunternehmer Daryl Bernstein. Die Grundregel lautet daher: "Turn a problem into an entrepreneurial opportunity."

Wichtig ist, daß Sie das Problem genau definieren: "Es gibt für jedes Problem Lösungen", glaubt Werbexperte Jack Foster, der jahrelang den Studenten der kalifornischen Stanford University beigebracht hat, wie man Ideen kreiert. "Daher solltest Du schon sehr genau wisssen, was Dein Problem ist."

Wie finden Sie die Lösung und damit Ihre Geschäftsidee? Nach Ansicht von Foster ist eine Idee "nicht mehr oder weniger als eine neue Kombination alter Elemente". Matthias Klopp rät deshalb allen Ideensuchern: "Sammle so viele Informationen wie möglich." Als Informationsquellen dienen Zeitungen, Bücher oder andere Unternehmer. Und ein wachsamer Blick in die Umgebung. Ein Notizblock sollte deshalb zu Ihrem ständigen Begleiter werden. Schauen Sie auch über den Tellerrand. "Oft erhält man die besten Ideen, wenn man die Grenzen des eigenen Gebietes durchbricht und sich in neuen Gebieten nach neuen Ideen umschaut", schreibt Foster. Die Gründer der Kölner Internetfirma Econia kombinierten das Internet mit dem Prinzip der umgekehrten Auktion, bei der sich die Anbieter einer Leistung immer wieder unterbieten. Auf der Econia-Homepage schreiben Unternehmen ihre Einkaufsaufträge aus und sparen dabei Millionen.

Setzen Sie Ihre informationsbausteine zu Ideen zusammen. Nicht zu einer, sondern zu vielen. Kaum eine Idee ist einzigartig. Und wer gleich die perfekte Lösung erwartet, hat Angst zu scheitern. Haben Sie keine Angst. Auch nicht davor, Regeln zu brechen. "Die meisten großen Fortschritte in Wissenschaft und Kunst sind die Leistungen von irgendjemandem, der konventionelle Regeln gebrochen hat", berichtet Jack Foster.

"Wichtig ist es, auch absurde Ideen zuzulassen", sagt Kathrin Schnelle. Die Geschäftsführerin des Quickborner Projektforums lässt die Teilnehmer ihrer Existenzgründer-Seminare deshalb "ordentlich spinnen". Je mehr Köpfe, desto ertragreicher ist das Brainstorming. Schnelle plädiert dafür, von Anfang an ein Team zu bilden. Um den Ideenfluß nicht zu bremsen, rät Foster: "Schreiben Sie die Ideen stichwortartig auf und gehen Sie gleich zur nächsten weiter. Die Analyse führen Sie dann später durch."

Zeichnet sich Ihre Geschäftsidee in Konturen ab, dann gönnen Sie sich selbst eine Pause und lassen Sie Ihr Unterbewußtsein arbeiten. Auch bei einer Mathematikaufgabe kommt der entscheidende Geistesblitz oft erst, nachdem Sie abgeschaltet haben. Seien Sie nicht beunruhigt, wenn es länger dauert. Nach erfahrung von Neil Chruchill, einem amerikanischen Forscher über Entrepreneurship, kann es bis zu zehn Jahre dauern, bis eine Idee für eine erfolgreiche Unternehmensgründung taugt.

Seien Sie auch nicht enttäuscht, wenn Ihre Idee nicht auf Anhieb den großen Wurf verspricht. Das Gute an kleinen Ideen ist: Sie sind leichter umzusetzen. Und das ist das Wichtigste. Überprüfen Sie, ob Ihre Idee machbar ist - und ob jemand dafür bezahlen will. Matthias Klopp: "Es nützt einem überhaupt nichts, wenn man eine gute Idee hat und nicht sieht, womit man Geld verdienen kann."

Fragen Sie potenzielle Kunden, was sie für Ihre Dienstleistung ausgeben würden. Das können Sie am Telefon machen oder - was teurer ist - mit Mailings. Vielleicht gewinnen Sie auf diese Weise schon Ihre ersten Kunden. Investieren Sie in Ihre private Marktforschung lieber zu viel Zeit als zu wenig.

Wichtig ist, dass Sie am Ball bleiben. "Erstellen Sie eine Liste mit den Dingen, die Sie tun müssen, um Ihre Idee in die Tat umzusetzen. Dann erledigen Sie jeden Tag zumindest einen Punkt auf dieser Liste", rät Jack Foster. Eine gute Motivation sei es, Geld ins Spiel zu bringen. Sie müssen ja nicht gleich Ihr ganzes Vermögen aufs Spiel setzen.
Auch wenn Ihr Geschäft eines Tages läuft, hört die Ideensuche nicht auf. "Ihr Vermögen, neue Ideen zu haben, ist für den Erfolg ausschlaggebend", mahnt Jack Foster.

© jungekarriere 2001, Peter Nederstigt

>> Ebenfalls zum Thema: "Wie finde ich eine Geschäftsidee?" Artikel von Matthias Klopp, erschienen im Handelsblatt

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Quelle: Gruenderland.de
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